Bao Gao Club GmbH aus Berlin im eröffneten Insolvenzverfahren

Die Nachricht trifft die Berliner Food-Szene und viele Dumpling-Liebhaber empfindlich: Die Bao Gao Club GmbH, bekannt für ihre handgemachten Dim Sum in der Markthalle Neun und das gleichnamige Restaurant in Prenzlauer Berg, ist zahlungsunfähig. Das Amtsgericht Charlottenburg hat am 1. September 2026 das Insolvenzverfahren über das Vermögen des Unternehmens eröffnet. Als offizielle Gründe für den Schritt werden im gerichtlichen Beschluss die klassischen Insolvenztatbestände genannt: Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung.

Vorläufige Sicherungsmaßnahmen und Insolvenzverwalter

Bereits Anfang August, genau am 4. August 2026, hatte das Gericht erste vorläufige Sicherungsmaßnahmen angeordnet, um das Vermögen des Unternehmens zu schützen. Mit der Eröffnung des Hauptverfahrens ist nun der Hamburger Rechtsanwalt Dr. Christoph Schulte-Kaubrügger als vorläufiger und nunmehr endgültiger Insolvenzverwalter bestellt. Ihm obliegt es, die finanzielle Lage der Gesellschaft zu prüfen und zu ordnen. Verfügungen über Bankkonten und Außenstände sind dem Unternehmen untersagt – die Verwaltungs- und Verfügungsbefugnis liegt vollständig beim Verwalter.

Ein Herzensprojekt mit hohen Zielen

Hinter dem Bao Gao Club steht der gebürtige Hongkonger Ka Chun To, ein Serienunternehmer mit einer bemerkenswerten Vita. Der 42-Jährige arbeitete einst als Management-Berater bei McKinsey, gründete mehrere Start-ups und engagierte sich bei der NGO Ashoka, bevor er sich mit dem Dumpling-Konzept seinen großen Traum in der Gastronomie erfüllte. Seine Eltern betrieben selbst ein China-Restaurant, weshalb ihm die Branche quasi in die Wiege gelegt wurde. Mit dem Bao Gao Club wollte To jedoch weit mehr als nur Essen verkaufen: Es war ihm eine Herzensangelegenheit, den europäischen Gästen die atemberaubende kulinarische Vielfalt der chinesischen Regionalküchen nahezubringen – weit entfernt von der oft kritisierten Einheits-„Asia-Pfanne“.

Nachhaltigkeitskurs als finanzielle Hypothek

Besonders stolz war der Gründer auf seinen strikten Nachhaltigkeitskurs. Das Team verwendete kompostierbare Verpackungen, setzte auf faire Bezahlung und regionale, hochwertige Zutaten. To war sich der höheren Kosten bewusst und nahm diese bewusst in Kauf – ein Ansatz, der zwar moralisch überzeugte, sich in der kalkulatorischen Realität eines expandierenden Gastronomiebetriebs nun aber offenbar als zu große finanzielle Hypothek erwies.

Was passiert jetzt mit Betrieb und Gläubigern?

Ob der Betrieb in der Markthalle Neun und das Restaurant in der Schönhauser Allee unter der Regie des Insolvenzverwalters weitergeführt werden oder ob die Türen endgültig schließen, ist derzeit noch offen und wird Teil der kommenden Prüfungen sein. Für Gläubiger, die noch offene Forderungen gegenüber der Bao Gao Club GmbH haben, ist die Uhr allerdings bereits gestellt.

Termine des Insolvenzverfahrens

Der zuständige Insolvenzverwalter hat die konkreten Termine für das weitere Verfahren festgelegt:

  • Berichtstermin: 12. Oktober 2026 – der Verwalter legt seinen ersten Prüfungsbericht vor
  • Forderungsanmeldefrist: endet am 23. November 2026 – alle Gläubiger sind aufgerufen, ihre Forderungen fristgerecht anzumelden
  • Prüfungstermin: 18. Januar 2027 – die angemeldeten Forderungen werden geprüft und festgestellt

Was bleibt, ist der Eindruck eines ambitionierten Projekts, das mit viel Herzblut, kultureller Tiefe und ökologischem Bewusstsein die Berliner Gastroszene bereicherte – aber letztlich an der Diskrepanz zwischen hohem Anspruch und wirtschaftlicher Tragfähigkeit zerschellte. Bleibt zu hoffen, dass die Marke oder zumindest die Rezepte des Bao Gao Clubs einen Weg zurück auf die Teller der Hauptstadt finden.

Zum Insolvenzprofil auf insova.de

Bao Gao Club GmbH, Berlin – Insolvenzprofil auf insova.de

Dieser Beitrag basiert auf öffentlich zugänglichen Informationen und der Berichterstattung des vorgestellten Unternehmens. Das Bild für diesen Artikel wurde mithilfe von KI erstellt.