Eichbaum-Brauerei schließt nach Insolvenz: Rettung nach 347 Jahren gescheitert
Ende einer Mannheimer Traditionsbrauerei
„Privatbrauerei Eichbaum in Mannheim" – Foto: Brezelpaul, via Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY-SA 3.0.
Die Privatbrauerei Eichbaum in Mannheim wird ihren Geschäftsbetrieb einstellen. Sämtliche Sanierungs- und Fortführungsversuche sind gescheitert. Von der Schließung der traditionsreichen Brauerei sind rund 240 Beschäftigte betroffen.
Damit endet voraussichtlich eine 347-jährige Mannheimer Brauereigeschichte.
Eichbaum gehört seit 1679 zu Mannheim
Die Geschichte der Eichbaum-Brauerei begann am 3. Oktober 1679. Damals erhielt der wallonische Bierbrauer Jean du Chaine vom Mannheimer Stadtrat die Erlaubnis, eine Brauerei und Schankwirtschaft unter dem Namen „Zum Aichbaum" zu betreiben.
Der Name spielte auf den französischen Familiennamen Chêne an, der auf Deutsch „Eiche" bedeutet.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich aus der Schankwirtschaft ein Industriebetrieb. In den 1870er-Jahren zog die Brauerei an ihren heutigen Standort an der Käfertaler Straße im Mannheimer Stadtteil Wohlgelegen.
Eichbaum beantragte 2025 Insolvenz
Ende Oktober 2025 beantragte die Privatbrauerei Eichbaum ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Als Ursachen nannte das Unternehmen rückläufige Exportumsätze, eine sinkende Nachfrage auf dem deutschen Biermarkt und einen daraus entstandenen Liquiditätsengpass.
Das Insolvenzverfahren wurde im Januar 2026 eröffnet. In den darauffolgenden Monaten prüften die Verantwortlichen verschiedene Sanierungsmodelle und führten Gespräche mit möglichen Investoren.
Zeitweise sah es so aus, als könnte die Eichbaum-Brauerei zumindest teilweise gerettet werden. Ein Finanzinvestor und die Park & Bellheimer AG sollten Teile des Geschäfts übernehmen. Nach einem im Juni vorgestellten Konzept hätten etwa 160 Arbeitsplätze erhalten bleiben können. Für weitere 83 Beschäftigte war der Wechsel in eine Transfergesellschaft vorgesehen.
Investorenlösung für Eichbaum gescheitert
Die geplante Fortführung kommt nun nicht zustande. Nach Angaben des Unternehmens erwiesen sich die geprüften Sanierungs- und Investorenlösungen als wirtschaftlich nicht tragfähig.
Trotz bereits eingeleiteter Restrukturierungsmaßnahmen arbeitete die Brauerei weiterhin defizitär. Gleichzeitig fehlten die finanziellen Mittel, um den laufenden Betrieb und weitere Verkaufsverhandlungen fortzuführen, ohne die Insolvenzmasse und damit die Interessen der Gläubiger zu gefährden.
Der Geschäftsbetrieb der Privatbrauerei Eichbaum wird deshalb eingestellt.
Rund 240 Beschäftigte verlieren ihre Arbeitsplätze
Von der Schließung sind alle rund 240 Beschäftigten am Mannheimer Standort betroffen. Sie sollen kurzfristig betriebsbedingte Kündigungen erhalten.
Auch die geplante Transfergesellschaft wird voraussichtlich nicht in der vorgesehenen Form zustande kommen. Rund 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hatten einem Wechsel bereits zugestimmt. Die Transfergesellschaft war jedoch an eine Fortführung des Unternehmens gekoppelt.
Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten fordert nun schnelle Verhandlungen über einen Sozialplan. Die Beschäftigten benötigten rasch Klarheit, finanzielle Absicherung und Unterstützung bei der Suche nach neuen Arbeitsplätzen.
Eichbaum-Betrieb soll bis September 2026 auslaufen
Bereits vorhandene Aufträge sollen mit einem kleinen Abwicklungsteam voraussichtlich noch bis Ende September 2026 bearbeitet werden. Danach sollen die Vermögenswerte der Brauerei in einem strukturierten Verfahren verkauft werden.
Zur Insolvenzmasse gehört auch das weitläufige Eichbaum-Gelände an der Käfertaler Straße. Wie das Grundstück künftig genutzt wird, ist noch offen.
Das benachbarte Universitätsklinikum Mannheim hatte bereits Interesse an einer möglichen Nutzung des Brauereigeländes gezeigt. Ob daraus ein konkreter Kauf oder eine andere Lösung entsteht, steht bislang nicht fest.
Karamalz gehört bereits nicht mehr zu Eichbaum
Die bekannte Malzgetränkemarke Karamalz ist von der Abwicklung der Eichbaum-Brauerei nicht unmittelbar betroffen. Die Marke wurde bereits im Oktober 2025 an die Brauerei Veltins verkauft.
Offen bleibt dagegen, was langfristig mit den übrigen Markenrechten, Produktionsanlagen und dem Mannheimer Brauereigelände geschieht.
Ende einer Mannheimer Traditionsbrauerei
Mit der Einstellung des Geschäftsbetriebs verliert Mannheim eines seiner traditionsreichsten Unternehmen. Die Eichbaum-Brauerei überstand seit ihrer Gründung im Jahr 1679 Kriege, Zerstörungen, Eigentümerwechsel und zahlreiche wirtschaftliche Umbrüche.
Die monatelange Suche nach Investoren konnte die Brauerei jedoch nicht retten. Besonders schwer wiegen nun der Verlust von rund 240 Arbeitsplätzen und die ungeklärte Zukunft des großen Betriebsgeländes.
Für Mannheim endet damit nicht nur eine lange Unternehmensgeschichte, sondern auch ein bedeutendes Kapitel der regionalen Brauereikultur.
Zum Insolvenzprofil
Privatbrauerei Eichbaum GmbH & Co. KG – Insolvenzprofil auf insova.de