Huber Automotive AG: Vom Hoffnungsträger der E-Mobilität in die Insolvenz
E-Mobilitätsspezialist aus Mühlhausen im Täle nach über 25 Jahren stillgelegt
Die Insolvenz der Huber Automotive AG im August 2025 ist ein Lehrstück dafür, dass selbst beste Marktpositionierung kein Freibrief für wirtschaftliche Stabilität ist. Der Spezialist für Fahrzeugelektronik, Batteriemanagement und E-Mobilität scheiterte trotz zeitweise rasant steigender Umsätze an einer Kombination aus Nachfrageeinbruch, Finanzierungsdruck und mangelnder Transparenz. Was bleibt, ist ein Teilverkauf, eine Stilllegung und viele offene Fragen.
Der Insolvenzverlauf im Überblick
Am 26. August 2025 stellte der Vorstand der Huber Automotive AG beim Amtsgericht Göppingen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens – wegen Zahlungsunfähigkeit. Bereits am 5. September 2025 wurde das Verfahren eröffnet, zum Insolvenzverwalter bestellte das Gericht Rechtsanwalt Martin Mucha von der Kanzlei Grub Brugger.
Zu diesem Zeitpunkt beschäftigte das Unternehmen noch 133 Mitarbeiter – deutlich weniger als die rund 180, die noch im Frühjahr 2025 genannt wurden. Unmittelbar nach Verfahrenseröffnung startete die Suche nach Investoren.
Teilverkauf an NEURA Robotics
Im Oktober 2025 fand sich für den Entwicklungsbereich ein Käufer: das Technologieunternehmen NEURA Robotics (ebenfalls Baden-Württemberg) übernahm mehr als 30 Mitarbeiter sowie bewegliche Vermögensgegenstände und Know-how. Der Übergang erfolgte zum 16. Oktober 2025.
Stilllegung des Restbetriebs
Für den verbleibenden Geschäftsbetrieb fand sich trotz internationaler Suche kein Investor. Im Dezember 2025 gab der Insolvenzverwalter bekannt, dass Huber Automotive geordnet stillgelegt werden sollte. Betroffen waren zu diesem Zeitpunkt noch rund 75 Arbeitsplätze. Die endgültige Stilllegung war für den 28. Februar 2026 vorgesehen – damit endete nach mehr als 25 Jahren die operative Geschichte der Huber Automotive AG.
Warum kam es zur Insolvenz? Die wirtschaftliche Schieflage
Der Niedergang vollzog sich nicht über Nacht. Huber Automotive hatte sich in den Jahren zuvor rasant entwickelt – und dann ebenso rasant eingebrochen.
- 2019/20 (vorläufig): rund 17,7 Mio. € Umsatz
- 2022/23 (vorläufig): rund 92,1 Mio. € – mehr als eine Verfünffachung
- 2023/24 (vorläufig): nur noch 38,9 Mio. € – ein Rückgang um 58 % gegenüber dem Vorjahr
Als Belastungsfaktoren nannte das Unternehmen die Corona-Folgen, Halbleiterengpässe, den Ukraine-Krieg und vor allem eine deutlich schwächere Nachfrage im Bereich Elektromobilität. Anfang 2025 räumte Huber selbst ein, dass das Unternehmen auf Basis des vorhandenen Auftragsvolumens nicht profitabel sei und weiterhin externe Finanzierung benötige.
Fehlende testierte Abschlüsse
Der letzte geprüfte und testierte Jahresabschluss stammte aus dem Geschäftsjahr 2018/19. Für alle folgenden Jahre lagen keine testierten Zahlen vor. Das Unternehmen begründete dies mit unterschiedlichen Auffassungen zur Bewertung von Bilanzpositionen und zur zeitlichen Zuordnung von Preisanpassungen. Die später veröffentlichten Umsatzzahlen waren daher nur als vorläufige Unternehmensangaben zu betrachten – eine für Anleger und Gläubiger wenig vertrauenserweckende Situation.
Die Rolle der Unternehmensanleihe – zweimalige Restrukturierung
Ein zentraler Finanzierungsbaustein war die im Jahr 2019 ausgegebene Unternehmensanleihe mit einem ursprünglichen Volumen von bis zu 25 Mio. €. Tatsächlich wurden rund 21,92 Mio. € platziert.
Als die Anleihe im April 2024 zur Rückzahlung fällig wurde, waren noch rund 20,46 Mio. € offen. Huber schlug den Anlegern eine Verlängerung um drei Jahre (bis April 2027) vor und erhöhte gleichzeitig den Zinssatz von 6 % auf 7,5 %. Die Gläubiger stimmten zu.
Bereits im Frühjahr 2025 musste Huber erneut verhandeln – diesmal mit weitreichenderen Forderungen: Die Anleihegläubiger sollten auf 50 % des Nennbetrags verzichten, Zinszahlungen bis zur Endfälligkeit gestundet werden. Für einen Teil der erlassenen Forderungen wurde ein Besserungsschein vereinbart, der bei späterer positiver Geschäftsentwicklung eine teilweise Wiederaufleben der Forderungen ermöglichte.
Am 5. Mai 2025 stimmten rund 89,6 % der abgegebenen Stimmen zu. Die Hoffnung auf Stabilisierung erfüllte sich jedoch nicht – nur gut drei Monate später folgte der Insolvenzantrag.
Kritik an Transparenz und finanziellen Verflechtungen
Bereits vor der Insolvenz hatte die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) im Jahr 2024 die mangelnde Transparenz des Unternehmens kritisiert. Besonders ins Auge fielen Darlehen an nahestehende Unternehmen: Zum Bilanzstichtag 2022/23 hatte Huber Automotive knapp 6,5 Mio. € an Gesellschaften verliehen, die nicht zu den Tochtergesellschaften gehörten, sondern dem Eigentümerumfeld zuzurechnen waren.
Die SdK bemängelte, dass Konditionen, Verzinsung und mögliche Sicherheiten dieser Darlehen für Anleger nicht ausreichend nachvollziehbar gewesen seien. Es handelte sich ausdrücklich um eine Kritik der Anlegervereinigung, nicht um eine Feststellung von Fehlverhalten – doch die Undurchsichtigkeit trug nicht gerade zum Vertrauen bei.
Die Geschichte des Unternehmens – vom Emissionsspezialisten zum E-Mobilitätsanbieter
Um den Fall ganz zu verstehen, lohnt ein Blick zurück:
- 1983: Gründung der Huber Fahrzeugtechnik in Geislingen an der Steige – zunächst mit Fokus auf Emissionsreduzierung
- 2000: Gründung der Huber Automotive AG, um die Zusammenarbeit mit internationalen Herstellern zu intensivieren
- 2002: Aufbau einer eigenen Elektronikfertigung – damit konnte Huber nicht nur entwickeln, sondern auch produzieren
- In den Folgejahren verlagerte sich der Schwerpunkt auf Fahrzeugelektronik, Hard- und Software, Steuergeräte, Batteriemanagementsysteme und Energiespeicher für Elektro- und Hybridfahrzeuge
Der Hauptsitz war im Industrie- und Businesspark in 73347 Mühlhausen im Täle (HRB 541309, Amtsgericht Ulm). Weitere Standorte gab es in Süßen und Heroldstadt.
Das Unternehmen war fest in der Huber-Unternehmensgruppe verankert. Noch im Frühjahr 2025 hielt die Huber Group Holding SE rund 94 % der Aktien, der Rest entfiel auf Martin Huber (gleichzeitig Vorstand der Automotive AG) und die Huber Fahrzeugtechnik sowie einen weiteren Aktionär.
Allein im Kalenderjahr 2024 stellte der Mehrheitsgesellschafter über persönliche Darlehen und Einzahlungen in die Kapitalrücklage mehr als 6,85 Mio. € eigenkapitalwirksame Mittel zur Verfügung. Dies zeigt, dass der Eigentümer durchaus bereit war, das Unternehmen zu stützen – letztlich aber nicht ausreichte, um die Insolvenz abzuwenden.
Fazit: Was bleibt?
Der Fall Huber Automotive ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, dass Zukunftsmärkte allein keine Sicherheit bieten. Das Unternehmen hatte mit Fahrzeugelektronik und E-Mobilität genau jene Felder besetzt, die als Wachstumstreiber der Automobilindustrie gelten. Dennoch scheiterte es an einer prekären Mischung aus:
- überhastetem Wachstum ohne belastbare Prüfung der Zahlen
- externen Schocks (Halbleiter, Krieg, Nachfragedelle)
- hohem Finanzierungsdruck durch eine Anleihe, die zweimal umstrukturiert werden musste
- mangelnder Transparenz gegenüber Anlegern und Gläubigern
Am Ende konnten immerhin mehr als 30 Arbeitsplätze im Entwicklungsbereich bei NEURA Robotics gerettet werden. Für den Großteil der Belegschaft und für die Gläubiger blieb jedoch nur die Abwicklung.
Die Huber Automotive AG wird als warnendes Beispiel in die Geschichte der deutschen Zulieferindustrie eingehen – als Unternehmen, das technologisch vorne war, aber betriebswirtschaftlich die Bodenhaftung verlor.
Zum Insolvenzprofil auf insova.de
Huber Automotive AG, Mühlhausen im Täle – Insolvenzprofil auf insova.de
Dieser Beitrag basiert auf öffentlich zugänglichen Informationen und der Berichterstattung des vorgestellten Unternehmens. Das Bild für diesen Artikel wurde mithilfe von KI erstellt.